23.04.2026

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Schlaf gehört neben Ernährung, Bewegung und Sozialleben zu den vier grossen Säulen der Gesundheit. Schlafmangel reduziert das Lern- und Denkvermögen und verlängert die Reaktionszeit. Wird er chronisch, kann dies zu Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Adipositas führen. Zudem gilt schlechter Schlaf als Risikofaktor für Depressionen und fördert entzündliche Prozesse im Körper. Im Tiefschlaf ist das Reinigungssystem im Gehirn (glympathisches System) deutlich aktiver als im Wachzustand. Schädliche Abbauprodukte wie Beta-Amyloid werden besser beseitigt. Ist die tägliche «Reinigung» reduziert, werden neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson begünstigt.

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Die Ursachen für Schlafmangel sind komplex
Schlafstörungen sind komplex und vielfältig. Oftmals liegen mehrere Ursachen vor. Lärm, Hitze/Kälte, helles Licht sind Beispiele für äussere Einflüsse, wie auch Alkohol, Koffein oder schwere Mahlzeiten. Ebenso gehören Jetlag, unregelmässige Schlafenszeiten, schlechte Schlafhygiene usw. dazu.
Schlecht schlafen kann aber auch innere Ursachen haben wie chronischer Stress, Ängste und Sorgen. Oftmals wird die Menopause von Schlafstörungen begleitet. Zudem können Schlafstörungen durch diverse Krankheiten verursacht werden, z.B. Depressionen, Angststörungen, Schmerzen, Restless-Legs-Syndrom, Schlafapnoe.
Schlagmangel im Zusammenhang mit Stress – ein Teufelskreis
Am weitverbreiteten Schlafmangel durch chronischen Stress lässt sich der Teufelskreis gut aufzeigen: Stress kann den Schlaf rauben, was sich wiederum stressverstärkend auswirkt. Dasselbe gilt bei psychischen Problemen. Deshalb ist es wichtig, rechtzeitig auch schulmedizinische Fachpersonen beizuziehen. Die Komplementärtherapie unterstützt ergänzend u.a. mit Schlafhygiene-Massnahmen zur Förderung der Entspannung und Minimierung kreisender Gedanken.
Mit Yoga-Therapie Impulse auch tagsüber setzen
Je nach Ursachen kann es helfen, bereits morgens eine Yogaprogramm zu üben. Man kommt besser in die Gänge oder wirkt Verspannungen entgegen. Zudem ermöglicht die Meditation den Tag positiv zu starten und Stress zu reduzieren. Auch tagsüber sind achtsame Körper-, Atem- und Achtsamkeitsübungen nützlich. Unter anderem helfen sie, einen hohen Spiegel des Stresshormons Cortisol zu regulieren. Dabei wird der Vagus-Nerv als «Hauptschalter» für Entspannung stimuliert.

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Nutzen der Yoga Therapie als Komplementärtherapie
Um nachhaltig den Schlaf zu verbessern, müssen die erwähnten Yoga- und Meditationswerkzeuge regelmässig geübt werden. KT-Yogatherapeut*innen haben die erforderlichen Fachkenntnisse, ein kurzes, massgeschneidertes Yogaübungsprogramm gemeinsam mit der betroffenen Person zu entwickeln. Dieses soll Freude machen, positive Erfahrungen ermöglichen und motivieren, dran zu bleiben. Das Yogaübungssequenz wirkt nachhaltig, wenn sie sinnvollen Schritten aufgebaut und individuell an Veränderungswünsche, Möglichkeiten und Tageszeit angepasst ist. In jeder Folgesitzung wird sie weiterentwickelt.
Auch bietet der*die Therapeut*in für den Alltag geeignete Selbstregulationstechniken an, die für mehr innere Ruhe und Gelassenheit sorgen. Wichtige Werkzeuge sind dabei Atemübungen. Auch die beliebten Tiefenentspannungen wie «Body Scan» oder «Yoga Nidra» werden individualisiert. Yoga Nidra ist eine geführte Imagination, die positive Vorsätze nutzt, um schlafverhindernde Muster zu verändern. Die Verbesserung der Schlafarchitektur mit mehr Tiefschlaf braucht Geduld und regelmässige Therapiesitzungen mit Fokus auf kleinste positive Veränderungen.
Verhaltensweisen und Umgebungsfaktoren, die einen gesunden Schlaf fördern
Temperatur: Kühle Raumtemperatur ist ideal.
Dunkelheit & Ruhe: Bei Bedarf Schlafmasken oder Ohrstöpsel nutzen. Das Schlafzimmer sollte idealerweise nur für Schlaf und Intimität genutzt werden (kein Homeoffice im Bett).
Abends: Blaues Licht (Smartphones, Tablets) reduzieren, da es die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin hemmt.
Tagsüber: Für helles Tageslicht sorgen, besonders am Vormittag, um den Rhythmus zu verankern.
Unser Körper liebt Routine, d.h. zu ähnlichen Zeiten ins Bett gehen und aufstehen. Ein konstanter Schlafrhythmus stabilisiert unsere innere Uhr.
Koffein: Es kann bis zu 6–8 Stunden dauern, bis die Hälfte des Koffeins abgebaut ist.
Alkohol: hilft zwar beim Einschlafen, verschlechtert aber die Schlafqualität, da er die REM-Phasen unterdrückt und zu häufigem Aufwachen in der zweiten Nachthälfte führt.
Schwere Mahlzeiten: mind. 2–3 Stunden vor dem Zubettgehen vermeiden.
Rituale wie Lesen (echte Bücher, kein E-Reader mit Hintergrundbeleuchtung), Meditation oder Atemübungen können helfen, das Gedankenkarussell zu stoppen.
Quellen:
Autorinnen:
Dr. Gisela Stauber, Komplementärtherapeutin mit Branchenzertifikat Methode Yoga Therapie, Kriens (LU), Co-Präsidentin Fachverband KT Yoga
Susanne Kieser Jäggi, Komplementärtherapeutin mit Eidg. Diplom Methode Yoga Therapie, Wald (ZH), Co-Präsidentin Fachverband KT Yoga
Fachverband Yoga Komplementärtherapie Schweiz www.ktyoga.ch
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