20.03.2026

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Was bedeutet inkomplette Querschnittlähmung?
Eine inkomplette Querschnittlähmung - auch Paraparese genannt - tritt auf, wenn das Rückenmark durch einen Unfall oder eine unzureichende Versorgung, wie nach einer Reanimation, teilweise beschädigt wird. Im Gegensatz zur Paraplegie, der vollständigen Querschnittlähmung, sind bestimmte Nervenbahnen weiterhin funktionsfähig, sodass Bewegungen, Empfindungen oder Reflexe teilweise erhalten bleiben. Nach der Akutphase beginnt für Betroffene eine lange Phase der Rehabilitation: Körperliche Reaktionen wie Blutdruckschwankungen, verändertes Schwitzverhalten, fremd erscheinende Bewegungen treten auf. Die Verdauungspassage, das Entleeren der Blase sowie die Sexualfunktion können betroffen sein. Der ganze Mensch in seinem körperlichen und psychischen Erleben ist gefordert. Er muss sich neu entdecken. Die Komplementärtherapie unterstützt dabei, sich in dieser herausfordernden Situation neu wahrzunehmen.
Wenn der Körper plötzlich anders reagiert
Nach der Reanimation lag der Fokus zunächst auf dem Überleben. Während der Rehabilitation standen Körperwahrnehmung, Vertrauen und Kontrolle im Vordergrund, dennoch blieb ein Gefühl der Entfremdung bestehen. Da die Rehaklinik keine Komplementärtherapie mit der Methode Kinesiologie anbietet, wurde ich auf Wunsch der Ehefrau in den stationären Therapieplan aufgenommen. Ziel war es, die Selbstregulation des Körpers zu unterstützen, die Selbstwahrnehmung gezielt zu fördern und die Genesungskompetenz mithilfe eigener Ressourcen zu stärken.

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Der Raum zwischen Körper, Geist und Seele
Komplementärtherapie sieht die Gesundheit als dynamisch und begleitet Klient*innen in ihrem Genesungsprozess individuell und ganzheitlich.
Mit der Methode Kinesiologie nutze ich Mittel wie:
Den Fokus legte ich auf die bestehenden Ressourcen. Den Klienten leitete ich an, die Signale des Körpers bewusst wahrzunehmen, um Blockaden zu lösen und damit die Selbstregulation zu fördern. Durch den Perspektivenwechsel von dem, was nicht mehr funktionierte auf das, was noch gesund ist, hat der Klient ein neues Selbstbild gewonnen.
Veränderungsprozesse entstehen, wenn sich Menschen sicher fühlen
Im Umgang mit meinem Klienten waren die Beziehungsgestaltung auf Augenhöhe und das gegenseitige Vertrauen entscheidend: Durch achtsame Berührung und gezielte Atemübungen spürte mein Klient wieder Wärme, Spannung und Entlastung in seinen Beinen. Erste eigene initiierte Bewegungen waren möglich, seine innere Mitte wurde ihm bewusster. Diese positiven Erfahrungen stärkten seine Selbstermächtigung, seine Kreativität und sein Selbstvertrauen.
Komplementärtherapie als sinnvolle Ergänzung
Komplementärtherapie stärkt die Selbstwahrnehmung und fördert emotionale Stabilität. Insbesondere in der Rehabilitation und akut Medizin wäre eine interdisziplinäre Zusammenarbeit wünschenswert.
Durch Reflexion und gezielte Förderung lernte der Klient mit inkompletter Querschnittlähmung, seiner Situation besser zu begegnen, Selbstregulation zu initiieren sowie seine Fortschritte wertzuschätzen. Dies steigerte seine Eigenwirksamkeit, sein Selbstvertrauen und förderte in seinem Tempo die ganzheitliche Genesung - Schritt für Schritt.

Autor Jens von der Lohe
Autore
Jens von der Lohe, Komplementärtherapeut mit Branchenzertifikat, Methode Kinesiologie, Dübendorf
Mitglied beim Berufsverband für Kinesiologie, www.kinesuisse.ch
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