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Unfallfolgen lindern mit KomplementärTherapie

Zwischen Gips und Gelassenheit: Ein gebrochenes Fussgelenk als Selbsterfahrung. Wie Komplementärtherapie dabei unterstützt, mit Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und seelischer Belastung umzugehen.

06.02.2026



Unfall beim Wandern, Frau hält sich Bein

© Adobe Stock

Ein Moment – und der Alltag läuft anders

Ein einziger unachtsamer Augenblick – ein Sturz, ein Knacken, ein stechender Schmerz im Fuss. Die Diagnose ist eindeutig: Bruch mit Gelenksplittern, Operation notwendig. Auch wenn es „nur“ ein Beinbruch ist, verändert sich die Situation von einem Moment zum anderen. Nichts geht mehr ohne Hilfe, Krücken oder sorgfältige Planung. Als Komplementärtherapeutin wusste ich: Jetzt beginnt ein Selbstversuch. Ich kann auf mein Wissen zurückgreifen – und gleichzeitig erfahren, wie es sich anfühlt, auf der anderen Seite zu stehen.

Haltung beginnt im Kopf

Natürlich kamen Ärger, Angst und Sorge auf. Doch aus Erfahrung weiss ich: Entscheidend ist, den Blick auf das zu richten, was ich beeinflussen kann. Statt in Widerstand zu gehen, entschied ich mich, diese Zeit als Weiterbildung zu betrachten – für meinen Körper, meine Wahrnehmung und meine Arbeit.

Ich wurde Beobachterin meiner selbst – mit neugierigem Interesse an dem, was sich zeigte, wenn Kontrolle nicht mehr möglich war.

Frau atmet mit geschlossenen Augen

@ Adobe Stock

AlexanderTechnik als Anker

Sechs Wochen ohne Beinbelastung bedeuten: jede Bewegung planen, jede Handlung bewusst angehen. Die AlexanderTechnik wurde zu meinem Anker. Immer wieder erinnerte ich mich daran, dass alles ausser dem Fuss frei beweglich ist. Es gab keinen Grund, die Schultern zu verspannen oder den Atem anzuhalten.

Mein Ziel war nicht nur körperliche Stabilität, sondern auch geistige Beweglichkeit. Ich achtete auf Weite im Nacken, Ruhe im Atem, auf ein bewusstes Loslassen. So konnte ich trotz Einschränkung eine gewisse Leichtigkeit bewahren – und sogar Gelassenheit kultivieren.

Schmerz verändert – und ist dennoch gestaltbar

Schmerz zieht den Körper zusammen, engt das Denken ein, verändert die Stimmung. Ich spürte, wie rasch Bewegungseinschränkung in ein Gefühl von Krankheit übergehen kann. Genau hier begann meine Arbeit: durch bewusste Körperwahrnehmung, durch kleine, achtsame Bewegungen im Bett, durch ruhiges, verbundenes Atmen.

So blieb mein Körper lebendig – auch wenn er in Teilen stillgelegt war.

Menschlichkeit macht den Unterschied

Die Operation verlief professionell. Doch was mir besonders in Erinnerung blieb, waren die kleinen Gesten der Menschlichkeit: ein ruhiger Blick, eine freundliche Berührung, das aufmerksame Dasein der Anästhesie-Fachfrauen, der Chirurgin. Diese kurzen Momente echter Präsenz gaben mir Halt und Vertrauen.

Ich habe gelernt: Fachkompetenz ist unerlässlich – doch erst die menschliche Verbindung schenkt Sicherheit.

Beweglich bleiben – auch im Spitalbett

Die Tage im Spital waren herausfordernd. Bettruhe führt schnell zu einem Gefühl von Passivität. Ich stellte mein Bett flach, setzte mich auf, bewegte meine freien Glieder so oft wie möglich. Kleine Übungen, bewusste Wahrnehmung, eine freundliche Haltung mir selbst gegenüber – all das half mir, mich nicht nur als Patientin, sondern auch als aktive Mitgestalterin meines Genesungsprozesses zu erleben.

Heilsame Berührung – KomplementärTherapie als Unterstützung

Bereits in der ersten Woche nach der Operation begann ich mit wöchentlichen Sitzungen bei meiner Praxiskollegin. Diese achtsamen Begegnungen waren von unschätzbarem Wert. Ich wurde nicht nur körperlich bewegt, sondern als ganzer Mensch wahrgenommen.

Die absichtslose Berührung half mir, mich wieder als Ganzes zu spüren – trotz Gips, Einschränkung und innerer Anspannung.

Gerade nach der Erfahrung im Operationssaal war das entscheidend: Dort hatte ich mich der medizinischen Notwendigkeit ausgeliefert. In der Komplementärtherapie hingegen konnte ich mich wieder freiwillig in fremde Hände geben.

@ Adobe Stock

Der Körper als Partner

Seit dem Unfall war mein Körper nicht mehr symmetrisch. Das betroffene Bein fühlte sich fremd an – dicker, unbeweglicher, schwer. Ich musste lernen, mein Bein wieder liebevoll ins Ganze zu integrieren. Ich erkannte: Heilung ist mehr als Reparatur. Sie ist Beziehung – zum eigenen Körper, zur Bewegung, zum Schmerz, zum Denken.

Fazit: In der Krise liegt Potenzial

Diese Erfahrung hätte ich mir nicht gewünscht – und doch war sie kostbar. Ich habe meine Werkzeuge als Komplementärtherapeutin neu kennengelernt, diesmal aus der Perspektive der Betroffenen. Komplementärtherapie hat mich nicht nur körperlich unterstützt, sondern mir geholfen, innerlich beweglich zu bleiben – und mit Vertrauen und Neugier durch eine herausfordernde Zeit zu gehen.


Autorin Sonja Baumann, zVg

Autore:

Sonja Baumann Komplementärtherapeutin mit eidg. Diplom, Methode AlexanderTechnik, Schwarzenburg und Bern

Mitglied beim Schweizerischen Berufsverband der AlexanderTechnik, www.alexandertechnik.ch


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